Verträglichkeitstests von Zahn-(Ersatz-) Materialien – was macht Sinn?

Dieser Beitrag erklärt aus Sicht der Anwendungspraxis die Sinnhaftigkeit von Testverfahren und welche Kriterien für ein aussagekräftiges Ergebnis zu beachten sind!
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Patienten, die von Allergien oder Unverträglichkeiten geplagt sind, fragen oft bei mir im Dentallabor nach Materialproben.

Sie möchten in einem Test herausfinden, ob die Ursachen ihrer Symptome bei den Zahn-Ersatz-Materialien zu suchen sind, oder auch ob sie einen neu geplanten Zahnersatz mit neuen Materialien vertragen würden. Klingt logisch und macht Sinn! 

Doch gibt es hier im Voraus ein paar grundsätzliche Dinge zu beachten:

Allgemein:

  1. Der Test allein macht noch niemanden gesünder.
  2. Bedenken Sie, dass jeder Test nur eine Momentaufnahme Ihrer aktuellen Situation darstellt und diese sich verbessern oder verschlechtern kann. Darauf können Sie mit der Führung Ihrer Lebensweise entscheidenden Einfluss nehmen.
  3. Um Beschwerden zu beseitigen, muss immer auch eine Änderung von Lebensumständen erfolgen – beginnen Sie damit sofort, wenn Sie erfolgreich Ihre Gesundheit verbessern wollen! Sie wissen nicht, wo Sie anfangen sollen? Eine Gesundheitsberatung hilft Ihnen schnell weiter.
  4. Der Test selbst ist mit Aufwand und mit entsprechenden Kosten verbunden, deshalb wählen Sie die Art des Testverfahrens, den Therapeuten und die zu testenden Stoffe mit Focus auf Ihr angestrebtes Gesundheitsziel aus! Lassen Sie sich von Fachspezialisten beraten, die sich täglich und intensiv mit der Thematik beschäftigen und erfolgreiche Ergebnisse vorzuweisen haben!
  5. Überlegen Sie, möchten Sie durch das Testergebnis neue Erkenntnisse erlangen oder nur eine schriftliche Bestätigung dessen, was Sie schon wussten?

In welchen Situationen sind Testverfahren unsinnig?

  1. Sie wissen, dass Sie alles Mögliche und Unmögliche nicht vertragen. Was glauben Sie, welches Ergebnis wird Ihnen der Test liefern? Bringt Sie das im Moment weiter?
  2. Oft werden Dinge getestet, die keinesfalls in den Mund gehören, weil ausreichend bekannt ist, dass sie toxische gesundheitsschädigende Inhaltsstoffe enthalten, auch Metalle oder sogar AMALGAM sind von vornherein auszuschließen – versteht sich, oder? Und es kostet Ihr Geld und es bestimmt Ihr Ergebnis. 

Die Austestung von Stoffen auf biologische Verträglichkeit ist sinnvoll, wenn:

  1. Symptome in Verbindung mit veränderten Umwelteinflüssen oder Lebensumständen stehen, aber nicht eindeutig zuzuordnen sind.
  2. Sie gezielt herausfinden möchten, welche Schadstoffe Sie belasten, um diese aus Ihrem Körper auszuleiten und zukünftig zu meiden.
  3. Sie einen neuen Zahnersatz bekommen und vorher sicher gehen wollen, dass Sie die neuen Materialien vertragen.

Der sicherste Material-Verträglichkeitstest

ist der Lymphozytentransformationstest (LTT).

Beim LTT werden im Labor aus einer Blutprobe des Patienten die Lymphozyten (= weiße Blutkörperchen) gewonnen und mit den jeweils zu testenden Stoffen zusammengebracht, also »konfrontiert«.

Ein positives Resultat im LTT sagt aus, dass gegenüber dem betreffenden Allergen eine Sensibilisierung vom Typ IV (entwickelt Symptome nach einer gewissen Zeit) besteht. Um Unverträglichkeiten zu vermeiden, ist zukünftig auf Material zu verzichten, welches dieses Allergen enthält. Lesen Sie dazu auch den Blogbeitrag Allergie oder Unverträglichkeit.

Bei negativ getesteten Materialien ist ausgeschlossen, dass gegenüber darin enthaltenen (deklarierten oder nicht deklarierten) Bestandteilen im Moment eine Sensibilisierung vorliegt.

Es gibt zwei Fragestellungen, die mit dem LTT beantwortet werden:

  1. Ist ein Austausch des vorhandenen Zahnersatzmaterials notwendig?
  2. Welche Materialien können verwendet bzw. nicht verwendet werden?

Mit dem LTT kann ein Zusammenhang zum Material nachgewiesen bzw. ausgeschlossen werden:

  • vor dem Einbringen neuer Zahnersatzmaterialien,
  • oder wenn nach dem Einbringen von Zahnersatzmaterial Beschwerden auftreten. 
Nähere ausführliche Informationen erhalten Sie im Institut für medizinische Diagnostik.

Für zahnmedizinische Fragestellungen ist der LTT dem Epikutantest (ECT) aus den folgenden Gründen vorzuziehen:

Der LTT wird außerhalb des Körpers mit eigenen Blutzellen durchgeführt.

Der Patient kommt mit dem Allergen während des Tests nicht in Kontakt. Das hat den Vorteil, dass eine Sensibilisierung des Patienten durch den Test selbst damit ausgeschlossen ist und dass eine eventuelle Reaktion der Blutzellen mit dem Material den Körper nicht belastet.

Bei Allergenen, die über Schleimhäute aufgenommen werden, spricht man von systemischen Sensibilisierungen, hier hat der LTT eindeutige Vorteile hinsichtlich seiner hohen Genauigkeit.

Auch für den Nachweis von Sensibilisierungen auf Medikamente wurde der LTT von der Leitlinienkommission des Robert-Koch-Institut als »uneingeschränkt empfehlenswert« eingestuft.

Und da Zahnersatz nicht auf der Haut getragen wird, sondern im Mund, versteht sich, dass der Epicutantest hier nicht angebracht ist!

Er wird zwar von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, liefert aber kein brauchbares Ergebnis!!!

Im Gegenteil – er ist mit Gesundheitsrisiken verbunden:
Durch den bei diesem Hauttest unvermeidbaren direkten Kontakt des Patienten mit dem Allergen wird er möglicherweise durch den Test erst sensibilisiert. 

In diesem Fall ist die Sensibilisierung aber während dieses Tests noch nicht zu erkennen. Erst 10-14 Tage später wäre eine deutliche Reaktion durch einen erneuten Test sichtbar, und genau das ist die Zeitspanne, in der der Zahnarzt das Ersatzmaterial in den Organismus einbringt.

Daher ist der Epikutantest für vorbeugende Testungen sogar kontraindiziert!

Wie erreichen wir ein brauchbares, aussagekräftiges Ergebnis?

Im Optimalfall werden die zu testenden Materialien zusammen mit der Blutprobe eingeschickt. Auf diese Weise erhalten wir ein aussagekräftiges Ergebnis, besonders was komplexe Materialien betrifft, wie z.B. Zemente, Komposite, Prothesenmaterialien, Knochenersatzmaterialien, aber auch Abrieb und Späne von fest in den Mund eingegliederten Materialien (um zu sehen, ob diese an einer Reaktion beteiligt sind).

In meinem Labor 

stelle ich die Testprobe für den Patienten genau so zusammen, dass sie genau die Komponenten enthält und alle Fertigungsprozesse im Labor durchläuft, wie es für die spätere Zahnersatzversorgung auch zutrifft. Auch Befestigungsmaterialien, die der Zahnarzt in den Mund einbringt, sollten in den Test einbezogen werden.

Genau das ist von entscheidender Bedeutung!!!

Die Gesamtheit verschiedener Proben von Einzelkomponenten, wie z.B. Verblendkunststoffe, Basiskunststoffe, Komposite sind für eine Neuplanung nicht aussagekräftig genug.

Das Endergebnis erhält seine Eigenschaften (und damit auch seine Verträglichkeit !!!):

  • durch die abgestimmte Auswahl seiner Einzelkomponenten,
  • ihrer Verbindung miteinander und
  • durch die angewendeten Verarbeitungsverfahren, somit durch den gesamten Herstellungsprozess.

Die Testergebnisse der einzelnen Materialien A und B können anders ausfallen, als das Testergebnis der Materialprobe aus A+B im Verbund – 

und 2 Testproben aus A+B im Verbund können sich wiederum von einander unterscheiden, wenn deren Herstellungsprozesse voneinander abweichen.

Entscheidenden Einfluss darauf haben:

  • die geeignete Auswahl der Modellgipse und der Poliermittel,
  • die uneingeschränkte Funktion und Bedienung der Laborgeräte durch den geübten Zahntechniker, 
  • die richtige Zeit und Temperatureinhaltung während der Polymerisations-, Abbinde- und Härteprozesse
  • und noch vieles mehr.

Deshalb besorgen Sie sich Ihre Testproben in dem Dentallabor, was auch Ihren späteren Zahnersatz herstellen wird UND DEM DIESE VORGEHENSWEISE BEKANNT IST.

Spezialtipp von BERADENT für alle  Allergiepatienten:

Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren und essentielle Fettsäuren sind an nahezu allen Stoffwechselprozessen beteiligt. Eine reichhaltige Versorgung ist daher wichtig für die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit des gesamten Organismus, ganz besonders, wenn Regenerationsvorgänge im Mund-Kieferbereich Unterstützung brauchen. Aufgrund der komplexen Vernetzungen der betroffenen biochemischen Prozesse sind unspezifische Symptomatiken sehr oft die Folge einer Mangelversorgung.

Es ist von großer Bedeutung für die Diagnostik und daher durchaus sinnvoll, Ihren Vitalstoff- und Mineralstoffspiegel bestimmen zu lassen.

Nähere Informationen und Auskunft erhalten Sie ebenfalls im Institut für medizinische Diagnostik.

Für Ihre offenen Fragen schreiben Sie mir bitte, wenn ich selbst Ihnen nicht weiterhelfen kann, kenne ich aber ganz bestimmt jemanden, der die Antwort weiß. 

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